Homage an Mozart
Jetzt wollte ich unbedingt was aufschreiben und weiß doch nicht was.
Ach ja.
Nun.
Er ist immer noch auf der Intensivstation. Er schrieb ganz verheißungsvoll, dass er jetzt fitter ist. Allerdings hatte er- als ich da war- (angerufen hatte er auch!) einen ganz geblähten Bauch. Seine Aussprache war verwaschen. Er bekam dann Dipiderol und wurde müde und matschig.
Jetzt wo ich hier sitze und schreibe, wird es noch realer und ich kriege Angst. Er war neben der Spur, legte hemmungslos die Decke zur Seite, so dass er da völlig unten ohne lag. Dann fing er an vor sich hin zu stöhnen und kackte ins Bett. Er war dann doch noch irgendwie fit genug, als dass er es selbst checkte. Er wollte dann wissen, ob es viel war. Ihn interessiert derzeit nur, ob er kacken kann und sein Bauch. Er sagte, die Ärzte wären zufrieden mit ihm, aber er wäre es nicht mit sich.
Ich wünsche mir sehr, dass wir später darüber lachen. Aber ich weiß es ncht. Ich hoffe, dass er so fit wrid, dass wir noch gemeinsam schöne Monate haben. Odr dass er den Krebs doch besiegt. Aber ist das wahrscheinlich bei dem Scheißbastardkrebs?
Teilweise dachte ich auch, dass es ein Ende haben muss. Dass ich nicht mehr kann. Aber ich will natürlich nicht, dass Philipp stirbt. Ich will wieder Stabilität. Solange ich weiß, wo ich am nächsten Tag bin, ist es ok. Jeder Tag ist einer von diesen miesen Alpträumen. Kein heftiger, sondern so ein simpler perfider.
Ich schreibe ihm jeden Tag, dass ich ihn liebe. Und er antwortet.
Antwortet er mir oder sein Dipi-Matschhirn?
Es ist auch ewig her, dass wir romantisch nett waren miteinander? Durch meine Dreckszustandskacke erinnere ich mich nicht mehr daran, aber er sagte "In Guten wie in schlechten Tagen. Ich hoffe auf die Guten.". Tja, jetzt kommen halt einfach noch mehr schlechte Tage.
Ich habe das Gefühl, dass mich das Leben hasst. Ich weiß nicht, was ich jemals jemanden getan habe, dass ich so Strafe verdiene. Ich war kein guter Mensch. Klar. Aber war ich so schlecht? Warum bekommt Philipp solch eine Strafe?
Es ist schwer zu ertragen.
Und viele Leute wollen mir helfen und für mich da sein und ich habe das Gefühl, ich bin undankbar. Ich will doch einfach nur, dass es vorbei ist. Das ich aufwache und der Alptraum vorbei ist. Ich hasse den Gedanken daran, was alles Philipps letztes Mal ist.
Im Krankenhaus funktioniere ich, wenn ich über die Scheiße nachdenke, tut es so weh, als wenn ein Teil von mir mitstirbt. Es sterben 19 Jahre von mir.
Und was bleibt? Statt dem brillianten Menschen, der sich so sehr um andere kümmert und sorgt, bleibt der Trottel vom Pärchen über. Der social akward Idiot, der nicht einmal eine Ausrede hat für seine Blödheit.
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